Ishikawa Diagramm erstellen: 8M-Methode, Tipps & Beispiel

Philipp Steubel – PortraitPhilipp Steubel
11. März 2026
5 Lesezeit (Minuten)
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Zusammenfassung

Das Ishikawa-Diagramm, auch Fischgräten- oder Ursache-Wirkungs-Diagramm genannt, ist ein bewährtes Werkzeug zur strukturierten Problemanalyse. Es hilft Teams, mögliche Ursachen zu visualisieren und systematisch zu untersuchen. Erfahren Sie, wie Sie ein Ishikawa-Diagramm erstellen, welche M-Methoden es gibt und wann sich der Einsatz besonders lohnt.

Probleme treten in der Berufswelt immer wieder auf. Egal ob im Projektmanagement oder in einzelnen Unternehmensbereichen: Wenn es ein Problem gibt, muss eine Lösung gefunden werden! Dies klingt natürlich in der Theorie sehr einfach, doch in der Praxis erweist sich dies oft als schwierig.

Denn nicht immer kann ein Problem auf einen einzelnen Faktor zurückgeführt werden. Man muss die Situation in einem größeren Zusammenhang betrachten, die verschiedenen Ursachen analysieren und daraus ergehend eine Lösung finden. Um diesen Prozess so einfach wie möglich zu gestalten, wurde das Ishikawa-Diagramm erfunden.

Mit diesem Modell werden die verschiedenen Ursachen näher veranschaulicht, sodass Sie selbst bei komplexen Problemen einen Überblick bekommen. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wissenswerte zum Ishikawa-Diagramm. Wir zeigen Ihnen, wie ein solches Diagramm aufgebaut wird und wie Sie selbst eines erstellen können. Dazu geben wir Ihnen auch Beispiele zum besseren Verständnis und Tipps, damit Sie ein optimales Ishikawa-Diagramm erstellen können.

Was versteht man unter Ishikawa-Diagramm?

Das Ishikawa-Diagramm ist ein visuelles Werkzeug zur Ursachenanalyse. Es stellt den Zusammenhang zwischen einem Problem und seinen möglichen Ursachen grafisch dar. Andere Bezeichnungen sind Ursache-Wirkungs-Diagramm, Fischgrätendiagramm oder Fishbone Diagram.

Der japanische Chemiker Kaoru Ishikawa entwickelte das Modell 1943 als Teil seiner Arbeit in der Qualitätskontrolle. Sein Ziel: grundlegende Ursachen für Probleme sichtbar machen.

Der Name „Fischgrätendiagramm" leitet sich vom Aufbau ab: Jede Gräte steht für eine Kategorie möglicher Ursachen. So lassen sich nicht nur einzelne Faktoren analysieren, sondern auch deren Wechselwirkungen verstehen.

Anwendungsbereiche des Ishikawa-Diagramms

Das Ishikawa-Diagramm ist ein vielseitiges Werkzeug, das in zahlreichen Branchen und Abteilungen zur Anwendung kommt. Seine Stärke liegt darin, Teams dabei zu unterstützen, die Ursachen für ein Problem strukturiert zu analysieren. Es eignet sich besonders für Situationen, in denen die Gründe für ein Ergebnis nicht sofort ersichtlich sind.

Typische Anwendungsbereiche sind:

  • Produktentwicklung und Fertigung: Zur Analyse von Produktionsfehlern, Qualitätsproblemen oder Verzögerungen in der Lieferkette.

  • Projektmanagement: Um herauszufinden, warum Projekte ihr Budget überschreiten, Termine verfehlen oder die gesetzten Ziele nicht erreichen.

  • Marketing und Vertrieb: Zur Untersuchung von sinkenden Verkaufszahlen, erfolglosen Kampagnen oder geringer Kundenbindung.

  • IT und Softwareentwicklung: Zur Fehlersuche (Bug-Analyse) oder zur Untersuchung von wiederkehrenden Systemausfällen.

  • Kundenservice: Um die Ursachen für eine hohe Anzahl an Kundenbeschwerden oder lange Wartezeiten zu identifizieren.

Die M-Methoden im Überblick: von 4M bis 8M

Die „Gräten" des Fischgräten-Diagramms stehen für verschiedene Kategorien von Ursachen. Diese werden oft als die „M-Methoden" bezeichnet. Je nach Komplexität des Problems können Sie zwischen verschiedenen Modellen wählen.

Die folgende Tabelle zeigt die acht Kategorien und ihre Bedeutung:

Kategorie

Enthalten in

Bedeutung

Mensch

4M, 6M, 8M

Fehlende Erfahrung, mangelnde Kommunikation, menschliche Fehler

Maschine

4M, 6M, 8M

Maschinenausfälle, veraltete Software, technische Defekte

Material

4M, 6M, 8M

Fehlerhafte Bauteile, unvollständige Daten, minderwertige Rohstoffe

Methode

4M, 6M, 8M

Ineffiziente Prozesse, unklare Anweisungen, fehlende Standards

Mitwelt (Umwelt)

6M, 8M

Marktveränderungen, gesetzliche Vorschriften, externe Einflüsse

Management

6M, 8M

Unklare Ziele, mangelnde Ressourcenplanung, Führungsfehler

Messung

8M

Ungenaue Datenerfassung, fehlerhafte Kennzahlen

Money (Finanzen)

8M

Budgetkürzungen, unzureichende Investitionen

Wie macht man ein Ishikawa-Diagramm?

Das Ishikawa-Diagramm wird in der Praxis gerne verwendet, da der grundlegende Aufbau sehr einfach zu verstehen ist. In diesem Absatz gehen wir näher auf den Aufbau ein und wie Sie das Ishikawa-Diagramm erstellen können:

1. Vorlage erstellen

Der Aufbau ist einfach. Sie benötigen nur ein Whiteboard, Flipchart oder großes Blatt Papier.

So zeichnen Sie die Grundstruktur:

  • Hauptachse: Zeichnen Sie einen horizontalen Pfeil von links nach rechts.

  • Fischkopf: Platzieren Sie am rechten Ende einen Kreis für das Problem.

  • Gräten: Zeichnen Sie diagonale Linien von der Hauptachse ab, je eine pro Ursachenkategorie (4 bis 8 je nach gewähltem M-Modell).

2. Problem identifizieren

Damit Ihr Ishikawa-Diagramm so vollständig wie möglich ist, sollten Sie auf das 8M-Modell setzen. Dieses hat einen sehr holistischen Zugang und gibt somit die aussagekräftigsten Ergebnisse für die Problemlösung.

Im nächsten Schritt ist es nun wichtig, dass Sie das Problem benennen. Was genau ist das Problem bzw. das Ziel? Dieses sollten Sie beim Fischkopf aufschreiben.

3. Ursachen analysieren

Analysieren Sie jede Kategorie und sammeln Sie so viele mögliche Ursachen wie möglich. Dieser Schritt funktioniert am besten im Team.

Nutzen Sie dazu ein Meeting oder eine Brainstorming-Session. So betrachten Sie das Problem aus verschiedenen Blickwinkeln und erhöhen die Vollständigkeit Ihrer Analyse.

Kostenlose Vorlage für Team-Brainstormings

Es kann in diesem Schritt auch sehr hilfreich sein, wenn Sie die verschiedenen Ursachen miteinander verbinden. Nehmen wir dazu ein einfaches Ishikawa-Diagramm Beispiel:

  1. Während Ihrer Brainstorming-Session sind Sie zum Entschluss gekommen, dass eine mögliche Ursache für das Problem die fehlenden finanziellen Mittel sind. Dies notieren Sie bei der Gräte "Money".

  2. Der Grund für die fehlenden Mittel liegt darin, dass die Maschinen in den letzten Monaten einen höheren Verschleiß haben, dies notieren Sie bei "Maschinen".

  3. Sie würden gerne notwendige Reparaturen durchführen, damit die Maschinen wieder einwandfrei laufen, bekommen jedoch nicht die notwendige Unterstützung von den oberen Führungsebene. Diese betrachten die Reparatur nicht als wichtig und geben Ihnen keine finanziellen Mittel dafür. Dies können Sie sowohl bei "Management" als auch bei "Money" notieren.

Wie Sie eindeutig sehen, können die verschiedenen Ursachen stark miteinander verbunden sein. Dies im Ishikawa-Diagramm zu notieren kann sehr hilfreich sein, um ein besseres Verständnis für das Gesamtbild zu bekommen.

4. Ursachen kategorisieren

Im nächsten Schritt sollten Sie die verschiedenen Ursachen nach Ihrer Wirkung bewerten. Hierzu können verschiedene Kreativitätstechniken zum Einsatz kommen, wie etwa die ABC-Analyse. Kategorie A bedeutet einen starken Einfluss, Kategorie C einen sehr geringen Einfluss. Dies kann im späteren Verlauf helfen, damit Sie an den Haupteinflussgrößen zuerst arbeiten.

5. Vollständigkeit überprüfen

Das Ishikawa-Diagramm kann nur dann richtig funktionieren, wenn alle Ursachen aufgeschrieben wurden. Dazu ist es hilfreich, wenn Sie noch einmal einen zweiten Blick auf das Diagramm werfen. Vielleicht auch erst ein paar Tage später.

Ishikawa-Diagramm: ein praktisches Beispiel

Stellen Sie sich vor, ein Marketingteam stellt fest, dass die „Anmeldequote für ein Webinar niedrig" ist. Das Team beschließt, ein Ishikawa-Diagramm zu verwenden, um die Ursachen zu finden.

  • Problem (Fischkopf): Niedrige Anmeldequote für das Webinar.

Nun sammelt das Team mögliche Ursachen für jede der M-Kategorien:

  • Mensch: Die Zielgruppe wurde nicht präzise genug definiert; der Vertrieb hat die Einladungen nicht aktiv weiterverfolgt.

  • Methode: Der Anmeldeprozess ist zu kompliziert (zu viele Felder); die Werbekanäle (z. B. Social Media, Newsletter) wurden nicht optimal genutzt.

  • Material (hier: Inhalte): Das Webinarthema ist für die Zielgruppe nicht relevant genug; die Einladungstexte sind nicht überzeugend.

  • Maschine (hier: Tools): Die Landingpage lädt zu langsam; die Anmelde-Software hatte technische Probleme.

  • Mitwelt: Ein Wettbewerber veranstaltet zur gleichen Zeit ein ähnliches Webinar; es sind gerade Ferien.

  • Management: Das Werbebudget wurde kurzfristig gekürzt; die Ziele für die Kampagne waren unklar.

Durch diese Visualisierung erkennt das Team, dass die Hauptursachen wahrscheinlich ein zu komplizierter Anmeldeprozess und ein wenig attraktives Thema sind. Darauf basierend können sie gezielte Maßnahmen entwickeln.

Vor- und Nachteile des Ishikawa-Diagramms

Wie jede Methode hat auch das Ishikawa-Diagramm seine Stärken und Schwächen. Eine Abwägung hilft Ihnen zu entscheiden, ob es das richtige Werkzeug für Ihre Situation ist.

Vorteile

  • Grafische Darstellung: Komplexe Zusammenhänge werden einfach und verständlich visualisiert. Das hilft, den Überblick zu behalten.

  • Einfache Anwendung: Das Diagramm lässt sich ohne spezielle Software schnell auf einem Whiteboard oder Flipchart erstellen.

  • Fördert die Zusammenarbeit: Die Methode eignet sich hervorragend für Brainstorming-Sitzungen im Team und stellt sicher, dass verschiedene Perspektiven berücksichtigt werden.

Nachteile

  • Potenzielle Unübersichtlichkeit: Bei sehr komplexen Problemen mit vielen Ursachen kann das Diagramm schnell unübersichtlich werden.

  • Keine Gewichtung: Alle Ursachen werden zunächst gleichrangig dargestellt. Die Priorisierung der wahrscheinlichsten Ursachen muss in einem separaten Schritt erfolgen.

  • Vereinfachte Darstellung: Wechselwirkungen und Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Ursachenästen können nur schwer abgebildet werden.

Tipps für ein gelungenes Ishikawa-Diagramm

Damit Sie mit dem Ishikawa-Diagramm die bestmöglichen Ergebnisse erzielen, haben wir hier einige Tipps für Sie zusammengestellt:

  • Problem konkret beschreiben: Formulieren Sie das Problem so präzise wie möglich. Ein vages Problem führt zu vagen Ursachen. Statt „schlechter Kundenservice" sagen Sie besser „Anstieg der durchschnittlichen Antwortzeit auf Kundenanfragen um 20 % im letzten Quartal".

  • Übersicht behalten: Es ist wichtig, viele Ursachen zu finden, aber verzetteln Sie sich nicht in zu kleinen Details. Konzentrieren Sie sich auf die wesentlichen Faktoren, um das Diagramm klar und handhabbar zu halten.

  • Kategorien anpassen**:** Die 8M-Methode ist ein Vorschlag. Wenn eine Kategorie wie „Maschinen" für Ihr Problem nicht relevant ist, lassen Sie sie weg oder ersetzen Sie sie durch eine passendere, wie zum Beispiel „Software" oder „Partner".

Problemlösung im Team mit Asana starten

Das Ishikawa-Diagramm hilft Ihnen und Ihrem Team, Klarheit über die Ursachen eines Problems zu gewinnen. Sobald Sie die Hauptursachen identifiziert haben, beginnt die eigentliche Arbeit: die Entwicklung und Umsetzung von Lösungen.

Mit einer Arbeitsmanagement-Plattform wie Asana erfassen Sie abgeleitete Maßnahmen als Aufgaben, weisen Verantwortlichkeiten zu und verfolgen den Fortschritt transparent. So entstehen aus der Analyse konkrete Verbesserungen.

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Häufig gestellte Fragen zum Ishikawa-Diagramm

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