Netzplan erstellen: Schritt für Schritt + kritischer Pfad

Philipp Steubel – PortraitPhilipp Steubel
23. April 2026
6 Lesezeit (Minuten)
facebookx-twitterlinkedin
Netzplan Bild
Gratis testen
Demo ansehen

Zusammenfassung

Ein Netzplan stellt Vorgänge, Abhängigkeiten und Pufferzeiten in einem Projekt grafisch dar. Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Methoden der Netzplantechnik (CPM, PERT, MPM), zeigt Schritt für Schritt, wie Sie einen Netzplan erstellen, und beschreibt, wie Sie den kritischen Pfad berechnen, um Ihre Projektplanung gezielt zu steuern.

Update: Im neuen Update haben wir die Inhalte dieses Artikels aktualisiert.

Bei jedem Projekt gibt es mehrere Vorgänge und Prozesse, die auf irgendeine Art und Weise voneinander abhängig sind. Es kann hierbei sehr vorteilhaft sein, wenn Sie sich die Zeit nehmen, um diese Abhängigkeiten grafisch darzustellen. So bekommen Sie einen besseren Überblick über die Abfolge der Prozesse, die Abhängigkeiten und die Gesamtdauer des Projektes.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Projektprozesse darzustellen, etwa den Projektstrukturplan. Der Netzplan ist jedoch detaillierter und liefert mehr Informationen, wie etwa Anordnungsbeziehungen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie einen Netzplan erstellen und den kritischen Pfad berechnen.

Projektzeitleisten mit Asana erstellen

Was ist ein Netzplan?

Ein Netzplan ist eine grafische Darstellung der Ablaufstruktur im Projektmanagement, die alle Vorgänge eines Projekts in ihrer zeitlichen und logischen Abhängigkeit zeigt. Er dient dazu, die Gesamtdauer eines Projekts zu kalkulieren, Pufferzeiten zu identifizieren und den kritischen Pfad zu ermitteln.

Ein Netzplan lässt sich für das gesamte Projekt oder nur für Teilprojekte erstellen, man spricht von Gesamtnetzplan und Teilnetzplan. Er bildet die Grundlage für die Terminplanung und hilft bei der Ressourcenverteilung.

Zudem gibt es beim Netzplan auch verschiedene Variationen. So sind beispielsweise auch Balkendiagramme, wie ein Gantt-Diagramm, als Sonderform des Netzplanes zu betrachten.

Arten der Netzplantechnik: CPM, PERT und MPM

In der Netzplantechnik kommen je nach Planungssituation unterschiedliche Ansätze zum Einsatz. Welche Methode sinnvoll ist, hängt davon ab, wie verlässlich Ihre Zeitschätzungen sind und wie detailliert Sie Abhängigkeiten darstellen möchten.

Methode

Einsatzbereich

Besonderheit

CPM (Critical Path Method)

Feste, bekannte Dauern

Klare Bestimmung des kritischen Pfads

PERT (Program Evaluation and Review Technique)

Unsichere Dauern

Arbeitet mit mehreren Zeitschätzungen

MPM (Metra-Potential-Methode)

Komplexe Abhängigkeiten

Vorgänge als Knoten, übersichtliche Darstellung

Für die meisten Praxisfälle ist nicht der Name der Methode entscheidend, sondern die Frage, ob Sie damit Reihenfolge, Puffer und Engpässe zuverlässig sichtbar machen können.

Wie erstelle ich einen Netzplan?

Mithilfe eines Netzplans werden alle Vorgänge in einem Projekt nach deren zeitlicher und logischer Abhängigkeit grafisch abgebildet. Jeder dieser Vorgänge wird durch einen Vorgangsknoten gekennzeichnet. Diese Knoten sind wiederum durch Pfeile miteinander verbunden.

So zunächst einmal der Grundaufbau für einen Netzplan. In den nächsten Absätzen erklären wir Ihnen die wichtigsten Elemente eines Netzplans näher.

Erstellen Sie eine Vorlage für ein Projektdiagramm

Der Vorgangsknoten

Der Vorgangsknoten wird als Rechteck mit einem 3x3-Feld dargestellt. Er enthält alle wichtigen Informationen zu einem Vorgang:

  • Vorgangsnummer

  • Vorgangsdauer (d)

  • Frühester Anfangszeitpunkt (FAZ)

  • Spätester Anfangszeitpunkt (SAZ)

  • Frühester Endzeitpunkt (FEZ)

  • Spätester Endzeitpunkt (SEZ)

  • Gesamtpufferzeit (GP)

  • Freier Puffer (FP)

Der Puffer

Puffer sind Zeitreserven, die Sie für eine Aktivität einplanen können. Ein Vorgang kann sich um den Puffer verzögern, ohne dass dies Auswirkungen auf die Gesamtdauer des Projektes hat.

Puffer entstehen beispielsweise durch parallel bearbeitete Aktivitäten mit unterschiedlicher Vorgangsdauer. Das folgende Beispiel verdeutlicht dies:

Nehmen wir an, Sie sind Teil eines Projektes. Im Rahmen dessen sind Sie und ein Teamkollege jeweils mit einer Aufgabe beauftragt. Beide Aufgaben müssen fertiggestellt werden, damit der nachfolgende Vorgang begonnen werden kann. Sie fangen gleichzeitig an, die Aufgabe Ihres Kollegen dauert jedoch um 2 Arbeitstage länger. Sie haben nun also einen Puffer von 2 Arbeitstagen, ohne dass der Projektablauf verzögert wird.

Es gibt zwei Arten von Puffern:

  • Gesamtpuffer: Die Differenz zwischen dem spätesten Endzeitpunkt (SEZ) und dem frühesten Endzeitpunkt (FEZ), alternativ die Differenz zwischen den Anfangszeitpunkten

  • Freier Puffer: Die Differenz zwischen dem frühesten Anfangszeitpunkt der nachfolgenden Aktivität und dem frühesten Endzeitpunkt der aktuellen Aktivität

Die Vorgangsdauer

Die Vorgangsdauer zu schätzen ist in der Praxis oft schwierig, da Einschätzungen optimistisch, realistisch oder pessimistisch ausfallen können. Die PERT-Formel kombiniert alle drei Zeitschätzungen zu einem gewichteten Erwartungswert:

Für die Formel nimmt man also die minimale Zeiteinschätzung (to), die wahrscheinliche Zeiteinschätzung (tw) und die pessimistische Zeiteinschätzung (tp), um sie in folgende Formel einzufügen:

te= (to + 4tw + tp) / 6

Wenn Sie sich dieser Formel bedienen, bekommen Sie den besten Wert für die Schätzung der Vorgangsdauer der jeweiligen Aktivität.

Verbindung zwischen Vorgangsknoten

Beim Erstellen eines Netzplans beginnen Sie mit der ersten Aktivität und erstellen einen Vorgangsknoten mit den jeweiligen Feldern. Danach fügen Sie die weiteren Aktivitäten hinzu. Die Verbindung zwischen den Aktivitäten kennzeichnen Sie mit Pfeilen, die die Richtung der Abhängigkeit zeigen.

Die Anordnung der Aktivitäten muss nicht linear sein. Es kann vorkommen, dass sich aus einer Aufgabe zwei Unteraufgaben ergeben. Umgekehrt müssen manchmal zwei Aufgaben fertiggestellt werden, bevor die nächste beginnen kann.

Netzplan Beispiel: Schritt für Schritt erklärt

Nehmen wir an, Sie planen eine interne Schulung. Dafür müssen Sie das Thema festlegen, die Inhalte erstellen, eine Freigabe einholen, den Termin kommunizieren und die Schulung durchführen. So erstellen Sie den Netzplan:

  1. Erfassen Sie zuerst alle Vorgänge innerhalb des Projektumfangs und vergeben Sie für jede Aufgabe eine klare Bezeichnung

  2. Legen Sie dann fest, welche Aufgabe auf eine andere warten muss und welche parallel laufen kann

  3. Tragen Sie für jeden Vorgang eine realistische Dauer in den Knoten ein

  4. Verbinden Sie die Vorgänge in der richtigen Reihenfolge, bis Anfang und Ende des Ablaufs sichtbar sind

  5. Prüfen Sie danach, an welchen Stellen Zeitreserven entstehen und welche Vorgänge ohne Spielraum bis zum Endtermin durchlaufen

So wird aus einer losen Aufgabenliste ein konkreter Ablauf, den Sie anschließend zeitlich berechnen und gezielt steuern können.

Was ist der kritische Pfad im Netzplan?

Der kritische Pfad ist die längste Kette von Aktivitäten ohne Pufferzeit im Netzplan. Verzögert sich eine dieser Aktivitäten, verzögert sich das gesamte Projekt

Dazu können wir uns wieder das Beispiel von vorher ansehen: Während Sie also einen Puffer von zwei Tagen haben für Ihre Aktivität, muss Ihr Kollege in der vorgesehenen Zeit fertig werden. Dieser hat keinen Puffer und wenn bei ihm eine Verzögerung auftritt, verzögert sich die Projektdauer insgesamt.

Warum ist der kritische Pfad so wichtig?

Kritische Aktivitäten müssen innerhalb der vorgesehenen Zeit abgeschlossen werden, sonst verzögert sich das gesamte Projekt. Die Summe aller kritischen Aktivitäten ergibt die voraussichtliche Projektdauer

Beim Berechnen des kritischen Pfades gibt es zwei Berechnungsmöglichkeiten, auf die wir hier kurz näher eingehen möchten:

1. Die Vorwärtsrechnung

Bei der Vorwärtsrechnung bzw. Vorwärtsterminierung kalkuliert man mit der frühestmöglichen Anfangszeit und Endzeit der jeweiligen Aktivitäten. Grundsätzlich geht man hier folgendermaßen vor:

  • Sie beginnen hier ganz vorne, also bei der ersten Aktivität im Netzplan. Hier ergibt sich eine FAZ von 0. Die früheste Endzeit ist also einfach die Dauer.

  • Allgemein sollte man bei jeder Aktivität die früheste Endzeit ausrechnen, indem man die früheste Startzeit und die Dauer zusammenrechnet.

  • So gehen Sie bei allen Aktivitäten vor. Wenn eine Aktivität mehrere Vorgänger hat, so ist der früheste Anfangszeitpunkt der jeweils späteste früheste Endzeitpunkt der Vorgänger.

2. Die Rückwärtsrechnung

Man kann jedoch auch von hinten nach vorne rechnen, dies gelingt durch die Rückwärtsrechnung, auch als Rückwärtsterminierung bekannt. Hier rechnet man mit der jeweils spätmöglichsten Anfangs- und Endzeit. Folgende Regeln sollten Sie bei dieser Variante beachten:

  • Sie beginnen hier ganz hinten, also bei der letzten Aktivität im Netzplan. Hier legen Sie fest, dass die früheste Endzeit auch die späteste Endzeit ist. Dies ist der Endtermin für das Projekt.

  • Danach arbeiten Sie sich nach vorne. Sie errechnen die späteste Anfangszeit als die Differenz zwischen der spätesten Endzeit und der Dauer.

  • Zwischen den Aktivitäten gilt, dass die späteste Anfangszeit der jeweiligen Aktivität dem spätesten Endzeitpunkt der vorherigen Aktivität entspricht.

Beide Berechnungsmethoden zeigen, welche Aktivitäten Puffer haben und welche nicht. Den kritischen Pfad markieren Sie am besten rot

Der kritische Pfad muss nicht linear sein, es können auch parallele Aktivitäten kritisch sein. Wenn Sie ihn bestimmt haben, können Sie Maßnahmen zur Zeiteinsparung umsetzen:

  • Aktivitäten parallel durchführen lassen

  • Kritischen Aktivitäten mehr Ressourcen zuweisen

Die Vor- und Nachteile eines Netzplans

Wie bei jeder Planungsmethode gibt es auch beim Netzplan Stärken und Schwächen, die Sie bei der Entscheidung für oder gegen diese Technik berücksichtigen sollten.

Welche Vorteile hat ein Netzplan?

  • Projektdauer ermitteln: Die Gesamtdauer des Projektes lässt sich berechnen

  • Visuelle Übersicht: Sie erhalten eine grafische Darstellung der Aktivitätenabfolge

  • Abhängigkeiten erkennen: Sie sehen die Zusammenhänge zwischen Aufgaben und freie Puffer

  • Kritischen Pfad identifizieren: Sie erkennen, wo Optimierungen die Projektdauer verkürzen können

Welche Nachteile hat ein Netzplan?

  • Hoher Erstellungsaufwand: Die Technik ist zeitintensiv und eignet sich daher vor allem für größere Projekte

  • Komplexität: Das Modell ist anspruchsvoll und wird vom Team möglicherweise nicht sofort verstanden

Netzplan vs. Gantt-Diagramm: Wo liegt der Unterschied?

Netzplan und Gantt-Diagramm verfolgen ähnliche Ziele, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte:

Kriterium

Netzplan

Gantt-Diagramm

Fokus

Abhängigkeiten und Engpässe

Zeitliche Verteilung und Termine

Stärke

Analyse und Berechnung

Kommunikation und Übersicht

Zeigt

Logische Reihenfolgen

Wann Aufgaben starten und enden

In vielen Teams ergänzen sich beide Darstellungen: Der Netzplan schafft Klarheit über die Logik des Ablaufs, das Gantt-Diagramm macht den Zeitplan leichter lesbar.

Netzplantechnik in der Praxis: So unterstützt PM-Software Ihre Projektplanung

In größeren Projekten wird ein Netzplan selten dauerhaft von Hand gepflegt. Sinnvoller ist eine Arbeitsumgebung, in der Abhängigkeiten, Verantwortlichkeiten und Termine direkt in der täglichen Zusammenarbeit sichtbar bleiben.

Genau vor dieser Herausforderung stand das Unternehmen Lucid. Statt Arbeit auf mehrere Systeme zu verteilen, bündelte das Team zentrale Abläufe in Asana. Aufgabenabhängigkeiten machten die Reihenfolge der Arbeit klarer, sodass jedes Teammitglied wusste, welcher Schritt auf den eigenen Beitrag folgt.

Vorlagen und Formulare vereinfachten Übergaben zwischen den Bereichen, und Ziele in Asana halfen dabei, Projekte direkt mit den unternehmensweiten Zielen (Objectives and Key Results) zu verbinden. Mit diesem Ansatz konnte Lucid ein neues Produkt in nur vier Monaten auf den Markt bringen.

Wie das Team von Lucid dabei konkret vorgegangen ist und welche Ergebnisse erzielt wurden, lässt sich in der Kundenstory von Lucid nachlesen. Besonders hilfreich ist dieser Ansatz, wenn mehrere Bereiche zusammenarbeiten. Integrationen mit Slack, Jira, Zoom, Lucidchart, Figma und Zapier halten den Kontext an einem Ort. So werden die Prinzipien der Netzplantechnik direkt in der täglichen Arbeitsumgebung abgebildet, ohne manuellen Pflegeaufwand. Wenn Sie Abhängigkeiten und Projektabläufe ebenso übersichtlich steuern möchten, können Sie mit Asana Projektzeitleisten erstellen und sofort loslegen.

Netzplantechnik für bessere Projektplanung nutzen

Ein Netzplan ist besonders dann hilfreich, wenn viele Aufgaben voneinander abhängen und Sie früh erkennen möchten, welche Vorgänge keinen Spielraum haben. In Verbindung mit klaren Zuständigkeiten, gepflegten Abhängigkeiten und einer zentralen Arbeitsgrundlage wird daraus nicht nur ein Planungswerkzeug, sondern eine verlässliche Methode für die tägliche Projektsteuerung. Wenn Sie diese Klarheit direkt in Ihrer Arbeit umsetzen möchten, können Sie mit Asana

Testen Sie Asana für das Projektmanagement

Häufig gestellte Fragen zum Netzplan

Was ist ein Netzplan einfach erklärt?

Ein Netzplan ist eine grafische Darstellung von Abläufen in einem Projekt. Er zeigt Vorgänge, deren Dauer und Abhängigkeiten. So lässt sich der Projektablauf besser planen und überwachen.

Wann braucht man einen Netzplan?

Ein Netzplan wird vor allem bei komplexen Projekten eingesetzt, bei denen viele Aufgaben voneinander abhängig sind. Er hilft dabei, Engpässe zu erkennen und die Projektdauer zu kalkulieren.

Was ist der kritische Pfad beim Netzplan?

Der kritische Pfad besteht aus Vorgängen ohne Pufferzeit. Verzögert sich ein Vorgang auf diesem Pfad, verzögert sich das gesamte Projekt.

Wenn Sie Ihre Projektplanung mit klaren Abhängigkeiten, Zeitleisten und Verantwortlichkeiten verbessern möchten, können Sie Asana kostenlos testen und jetzt loslegen.

Verwandte Ressourcen

Artikel

ALPEN-Methode: Definition, Vorteile und Beispiele!